27. März 2004
26. BL-Spieltag 03/04, VfL Bochum - S04  1:2 

"Keinen Pfifferling"


Zur Halbzeit hatten nur noch die größten Optimisten auf einen Sieg gehofft.


Einen ganz schwarzen Tag erwischte Rostvertreter Ünlü, 
der nicht nur beim Gegentor die Bochumer Flanken unterlief. 


Die Bochumer wurden immer passiver und S04 drehte in der 
Schlussphase das Spiel doch noch um. 


1:1 durch Klässener


Und dann sogar noch der Siegtreffer durch Delura. 


Noch mal Grund zum Jubeln :-)


Zum Thema Ünlü, geklaut auf Blutgraetsche.de :

Es ist so weit, die Königsblauen haben wieder mal Heimspiel in Bochum.

Angereist (heißt das überhaupt noch Reise?) um die letzte Chance zum

UEFA-Cup zu wahren und den „Grauen Mäusen" aus Bochum ihre erste

Heimniederlage beizubringen. Das Spiel hat gerade angefangen und der

S04-Torhüter, Rost-Ersatz und auf Grund der letzten 3 Spiele schon als das

„türkische Glücksrad" Ünlü bezeichnet, unterläuft schon die erste Flanke –

zum Glück ohne Auswirkung!

Dies passiert erst bei der zweiten (unterlaufenen) Flanke – Tor Meichelbeck,

0:1. Doch leider war das nur der Auftakt zu der schlechtesten

Torwartleistung, die ich in der Bundesliga bisher erlebt habe. Mehr hohe

Flanken unterlaufen und sinnlos durch den Strafraum irren habe ich in einem

Spiel noch nicht erlebt. Als Volkan Ünlü dann auch noch zur zweiten Halbzeit

aufläuft, kann ich die Welt nicht mehr verstehen. Die Bochumer Fans

skandieren bei jedem Ball Richtung Schalker Tor „Ünlü – Ünlü" Rufe, wohl

eher weniger, um ihn aufzubauen. Sichtlich beeindruckt dadurch setzt Volkan

seine Bemühungen, grundsätzlich unter Flanken durchzulaufen, fort. Mein

Adrenalinspiegel steigt ins Unermessliche und ich merke, dass dieses Spiel

mir mal wieder ein paar Monate meines Lebens raubt.

Kurz und gut, es gelingen noch 2 Tore gegen Ende (ich frage mich, ob

überhaupt ein Torwart heute nötig war) und das Spiel ist gewonnen. Dass

Volkan eine Minute vor Schluss einen Ball von der Linie fegt und somit den

Sieg doch noch sichert, hab ich fast übersehen. Wie kann man mit so einem

Fliegenfänger nur ein Bundesligaspiel bestreiten? Ich bin fassungslos!

Doch dann kommt die Mannschaft in die Fankurve und bedankt sich für die

Unterstützung – und siehe da, auch Volkan kommt und er heult!!!

Dies versetzt mir einen Stich ins Herz, welch ein großer Mann. Er weiß, was

er heute da zusammengespielt hat und stellt sich trotzdem den Fans. So

langsam setzt mein Verstand wieder ein (der muss wohl in den zurückliegenden

90 Minuten ausgesetzt haben) und ich beginne, das Ganze im vollem Ausmaß zu

begreifen.

Wer ist den Volkan Ünlü? Normalerweise königsblauer Torwart Rang zwei oder

drei. Im Moment jedenfalls kein Konkurrent für Franky Rost, der außerhalb

aller Diskussionen stand, bis ihn eine Verletzung für Wochen aus der

Mannschaft warf. Da musste Volkan ran, keineswegs von einem übersteigerten

Selbstwertgefühl gesteuert, sondern notgedrungen. Ünlü, geboren in

Gelsenkirchen, bisher bei den Amateuren und der türkischen U20-Auswahl

eingesetzt. Nicht, das türkische Torhüter grundsätzlich Weltruhm erlangen,

aber ganz so schlecht kann er doch nicht sein. Bereit, für Fäustel Rost

einzuspringen und sein Bestes zu geben, ohne arrogant zu sein.

Und dann passiert, was schon vielen Torhütern vor ihm passiert ist. Ein

früher, gravierender Fehler und der nervliche Druck beginnt, Volkan zu

zerdrücken. Auf ihn stürzt alles ein, Endspiel, Derby – der Kopf wird

schwer, er steht plötzlich total neben sich. Doch dann passiert das, wovon

ich immer geträumt hatte. Die zwei anderen in Gelsenkirchen geborenen

(Kläsener und Delura) machen 2 Buden, Volkan fegt in der letzten Minute 'nen

Ball von der Linie und „habe fertig", Sieg.

Fanherz, was willst du mehr. Zwei echte GE´ler bügeln den einen

schwerwiegenden Fehler des dritten echten GE´lers durch 2 Buden wieder aus.

Keine Söldner, gekaufte Millionäre – nein gebürtige Gelsenkirchener, dazu

noch junge Wilde in ihrer ersten Saison. Genau das, was ich immer gefordert

habe. Lieber mit solchen Typen im Döner-Cup als mit Söldnern in der CL – so

sehe ich mein Schalke. Denn, was ist eigentlich passiert? Wir haben gewonnen

– und wenn nicht, was soll’s. Die Mannschaft hat in der Hinrunde so 'nen

Streifen gespielt und Punkte verschenkt ohne Ende. Die jetzige Lage an

Volkan Ünlü fest zu machen wäre unverfroren.

Was bilde ich mir also ein, über Volkan Ünlü herzuziehen? Einen

Zwanzigjährigen, der unter dem Druck der auf dem Spiel stehenden Millionen

von Euro zusammenbricht. Der sich dabei in bester Gesellschaft befindet.

Wie war das mit Jens Lehman in Leverkusen?

Oder mit Walter Junghans?

Oder mit Pannen-Olli Reck?

Ich schäme mich, während der 90 Minuten des Spieles in Bochum dauernd über

Auswechseln nachgedacht zu haben. Nur gut, dass Volkan Ünlü in die Kurve kam

und mir mit seinen Emotionen gezeigt hat, was wirklich im Fußball wichtig

ist – nicht nur der Sieg und 3 Punkte. Volkan, ein schwerer Tag für uns

beide, aber wir sind auf dem richtigen Weg!